Kindergarten-Lehrpersonen endlich fair anstellen!
von Dominik Schmid
Zum untenstehenden Votum: Eine faire Anstellung für Kindergarten-Lehrpersonen ist überfällig. Die von der EVP eingereichte Motion "100%-Stellen für Kindergartenlehrpersonen" wurde letztes Jahr, am 25. Mai 2020 von der Kantonsratsmehrheit überwiesen, und die Regierung hat damit den Auftrag gefasst, eine entsprechende Lösung im Sinne der Motion (100%-Anstellungen mit Anrechnung der bisher nicht berücksichtigten Auffang- und Pausenzeiten) auszuarbeiten. Dafür hat sie längstens 2 Jahre Zeit, aber wir hoffen natürlich, dass die Regierung schon dieses Jahr handelt. Beim nun am letzten Montag diskutierten Vorstoss der «Halbklassenunterricht im Kindergarten» (173/2020) geht es darum, dass man für Kinder im 1. KIGA Halbklassenunterricht einführen will, damit die KIGA-Lehrpersonen auf ein höheres Pensum kommen. Als EVP sind wir strikt gegen diesen Vorstoss, weil er genau in dieser Zeit, in der die Regierung eine Lösung für 100%-Anstellungen bringen muss aufgrund unseres Vorstosses, ein falsches Zeichen setzen würde, dass man nicht die Anrechnung der Auffang- und Pausen-Zeiten realisieren soll, sondern die Lehrpersonen länger arbeiten lassen soll mit mehr Halbklassenunterricht. Erfreulicherweise ist dieser Vorstoss nun gescheitert und wir sind gespannt auf die Umsetzung unserer Motion durch die Regierung. Lesen Sie unten das Votum dazu von Kantonsrat Hanspeter Hugentobler.
"Am 25. Mai des letzten Jahres gab es seit langem wieder einmal gute Nachrichten für den Kindergarten: Nach jahrelangem Seilziehen um die unfaire 88%-Anstellungen der Kindergarten-Lehrpersonen hat da der Kantonsrat mit 89:76 Stimmen zu unserer Motion „100% Stellen auch für Kindergartenlehrpersonen“ dem Regierungsrat den Auftrag gegeben, diesen Missstand zu beheben.
Die permanente Herausforderung im Kindergarten: Die eintretenden Kinder werden immer jünger und immer mehr Kinder mit «besonderen Bedürfnissen» sind zu integrieren, und in den ersten Wochen ist in manchen Kindergärten trotz des vorbildlichen Einsatzes der Kindergartenlehrperson die Klassensituation prekär. Dass man gleichzeitig seit Jahren die entscheidenden Akteure in dieser herausfordernden Situation – nämlich die Kindergartenlehrpersonen! – unfair behandelt, ist ein Skandal! Tiefere Lohnstufen, ein maximaler Beschäftigungsgrad von 88% mit einer ganzen Kindergartenklasse, «windige» Berechnungen, bei denen man die Pausen von Primar- und Sekundarlehrpersonen im Lehrerzimmer mit den Intensivst-Kinderbetreuungspausen der Kindergartenlehrpersonen vergleicht… Und dann ist man noch erstaunt darüber, dass der Mangel an Kindergartenlehrpersonen zunimmt und immer weniger junge Menschen diesen wichtigen und faszinierenden Beruf ergreifen. Diese Situation ist einfach unhaltbar!
Vielleicht verstehen Sie nun, weshalb wir diese parlamentarische Initiative nicht unterstützen – auch wenn ich meinem Kantonsratskollegen Christoph Ziegler bei diesem Vorstoss durchaus ehrliches Engagement für die frühe Förderung attestiere. Aber wir haben den Eindruck, dass diese Initiative ein missverständliches Signal aussendet: Statt die grosse Zusatzarbeit der Kindergartenlehrpersonen endlich zu honorieren und den Missstand der 88%-Anstellungen durch eine faire Anrechnung der geleisteten Arbeit zu honorieren lässt man die Kindergarten-Lehrpersonen einfach länger arbeiten. Diese parlamentarische Initiative könnte verstanden werden als: «Die Überzeit bezahlen wir dir nicht, aber du kannst ja noch mehr arbeiten». Das aber würde nichts bringen ausser noch mehr Überlastung und Burn-Outs... Eine faire 100%-Anstellung der Kindergartenlehrpersonen kostet rund 25 Mio Franken – davon müsste der Kanton 5 Mio bezahlen. Damit erhalten wir starke Kindergärten für die Zukunft.
Die EVP lehnt daher diesen Vorstoss ab und hofft auf eine zügige Behandlung der vom Kantonsrat unterstützten Motion «Hugentobler/Fehr/Wicki: 100%-Stellen auch für Kindergartenlehrpersonen» (7/2018) durch die Regierung. Herzlichen Dank im Namen des Kindergartens und der nächsten Generation!"
Für Auskünfte
Hanspeter Hugentobler, EVP-Kantonsrat, Pfäffikon, 044 951 17 91, E-Mail schreiben