Daniel Sommer, Kantonsrat, zu Ammoniakemissionen

von

«Es waren gemischte Gefühle, die mein Vater hatte, als ich in den Kantonsrat gewählt worden war. Einerseits war er mächtig stolz, andererseits fürchtete er, sein Sohn könne nun ebenfalls Theorien vertreten, die mit der Praxis wenig zu tun haben.

Da mein Vater seinen Bauernhof fast ein halbes Jahrhundert bewirtschaftete, kann ich seine Bedenken bis heute nachvollziehen. Auch darum, weil wir die Rettung der Welt nicht einer einzigen Berufsgattung überlassen können. Die Aufgabe die Überschreitung von Stickstoffeintragsraten, bzw. Ammoniakkonzentrationen in der Landwirtschaft zu Reduzieren ist auch für uns nicht bestritten. Es ist aber entscheidend mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen das geschehen soll. Und natürlich möchten wir die Gewissheit, dass die Bauern und die Fachleute im AWEL und dem ALN das Problem so ernst nehmen, dass sie auch geeignete und wirksame Massnahmen planen.

Solche stellt uns der Regierungsrat mit dem «Massnahmenplan Ammoniak» in Aussicht. Auf nächstes Jahr angekündigt, ist er noch in Bearbeitung. Laut Verwaltung werden in diesem auch verschiedene ambitionierte Verminderungsziele bei Ammoniakemissionen enthalten sein, was wir sehr begrüssen. Weitere technische Details möchte ich Ihnen nun aber ersparen. Stattdessen möchte ich uns allen eine Hausaufgabe mitgeben. Sie lautet: Zeichnen Sie das Bild, das Sie von Landwirtinnen und Landwirte in der Schweiz haben. Das kann mental geschehen, muss nicht abgegeben werden und wird auch nicht benotet. Sitzen auf PS-starken Traktoren gut genährte Grossbauern, die unsere Lebensgrundlagen der Profitgier opfern wollen?

Oder sind es Landwirte, sich im täglichen Spagat übend, den Wunsch nach einem existenzsichernden Lohn mit den Zielen zu vereinbaren, genügend Nahrungsmittel zu produzieren und unsere Landschaft zu pflegen?

Gut möglich, dass meine Wahrnehmung der heutigen Herausforderungen in der Landwirtschaft zu sehr von der eigenen Biographie geprägt ist. Ich stelle einfach fest, dass wir es im Kantonsrat vermehrt mit Vorstössen zu tun haben, die bei Bauern sofort eine Abwehrhaltung auslösen. Trotzdem möchte ich die Bauern weder idealisieren, noch als die «Unschuldigen vom Lande» bezeichnen. Aber wenn wir bei der Verbesserung der Biodiversität unsere stärksten Partner nicht im Boot haben, ist Schiffbruch vorprogrammiert. Wenn wir stattdessen unsere Landwirtinnen und Landwirte für die dringenden Umweltschutzmassnahmen gewinnen können, werden wir am meisten Wirkung erzielen können.

Mehr Engagement und weniger Handbremse würden wir uns aber auf der anderen Seite vom Bauernverband wünschen. Denn könnte er glaubhaft sein Interesse an Verbesserungen bei der Reduktion von Ammoniakemissionen darstellen, würde uns wohl manche polemische Debatte erspart bleiben. Gegenseitige Beschuldigungen von Klima-Arroganz bis zu Umwelt-Ignoranz führen in die Sackgasse.

Die EVP weigert sich unselige Freund-Feind-Bilder weiter zu befeuern und setzt sich für vernünftig umsetzbare Massnahmen in der Landwirtschaft und im Umweltschutz ein.»

Für Auskünfte
Hanspeter Hugentobler, EVP-Kantonsrat, Pfäffikon, 044 951 17 91, E-Mail schreiben
Mark Wisskirchen, EVP-Geschäftsführer, Kloten, 044 271 43 02, E-Mail schreiben

Zurück